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Südamerika Nachrichten
Montag, 08.03.2010 21:58
Falklandkonflikt - Südamerikanische Staaten stellen sich hinter Argentinien
Die lateinamerikanischen Staaten haben sich im neu aufgeflammten Falklandkonflikt geschlossen hinter Argentinien gestellt. Die Regierung in Buenos Aires wertet die Probebohrungen der britischen Ölfirma Desire Petrolium PLC als Provokation. Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez warf Großbritannien wegen der Bohrungen eine Missachtung des Völkerrechts vor. Im neu aufgeflammten Konflikt um die Falklandinseln haben sich die lateinamerikanischen Staaten geschlossen hinter Argentinien gestellt. 32 süd- und mittelamerikanische Länder betonten auf einem Gipfeltreffen in Mexiko die „legitimen Rechte der Republik Argentinien in dem Souveränitätsstreit mit Großbritannien.“ Dies teilte der mexikanische Präsident Felipe Calderón am Montag (Ortszeit) in einer schriftlichen Erklärung mit. Mit seiner Solidaritätserklärung reagierte der Gipfel auf die Probebohrungen der britischen Ölfirma Desire Petrolium PLC nördlich der Falklandinseln. Die Regierung in Buenos Aires wertet die Bohrungen als Provokation, weil sie die rund 800 Kilometer östlich der argentinischen Küste gelegenen Falklandinseln als Teil Argentiniens betrachtet. Die Inselgruppe mit knapp drei Millionen Einwohnern steht seit 1833 unter britischer Herrschaft.
Argentinien wirft London Verletzung des Völkerrechts vor
Die argentinische Präsidentin Cristina Fernandez warf Großbritannien wegen der Bohrungen eine Missachtung des Völkerrechts vor. Argentinien werde aber keinen Versuch unternehmen, die britische Ölfirma mit Gewalt an der Arbeit zu hindern, erklärte Fernandez vor Journalisten. „Wir glauben nicht an Blockaden und ähnliche Methoden“, sagte sie am Rande des Gipfeltreffens im mexikanischen Badeort Playa de Carmen.
Argentinien und Großbritannien streiten schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts über die Falklandinseln, die in Lateinamerika „Las Malvinas“ heißen. 1982 ließ die damals in Argentinien regierende Militärjunta die Inseln von ihren Truppen besetzen, was einen Krieg mit Großbritannien auslöste. Die Kämpfe kosteten rund 750 Argentinier, 255 Briten und drei Inselbewohner das Leben, nach zehn Wochen kapitulierten die argentinischen Streitkräfte. Erst 1990 nahmen Argentinien und Großbritannien wieder volle diplomatische Beziehungen auf, ohne aber den Streit um die Inseln gelöst zu haben. (focus.de)
Plünderer in Chile geben Beute für 1,5 Millionen Euro zurück
Concepción — Offenbar reumütige Plünderer haben in den chilenischen Erdbebengebieten Beute im Wert von umgerechnet etwa 1,5 Millionen Euro zurückgegeben. Unter anderem seien hunderte gestohlene Fernsehgeräte, Waschmaschinen und Möbel zurückgebracht worden, sagte Präsidentin Michelle Bachelet beim Besuch eines Lagers mit zurückgebrachten Gütern. Sie machte allerdings nicht nur Reue dafür verantwortlich, auch der Druck von Polizei- und Armee-Patrouillen habe seinen Teil beigetragen.
"Dieses Plündern hat nichts mit Überleben zu tun", sagte Bachelet. "Das sind einfach nur Leute, die Profit aus dem Elend der anderen schlagen wollen." Bei dem Erdbeben am 27. Februar waren hunderte Menschen getötet worden. Offiziell wird die Zahl der Todesopfer inzwischen mit 452 angegeben. Zeitweise hatten die Behörden sogar von mehr als 800 Toten gesprochen. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass noch dutzende Leichen geborgen werden. (AFP)
Erdbeben in Chile - "Das Meer hat alles mitgenommen"
"Ich habe keine Nachrichten von meinen beiden Kindern. Meine einzige Hoffnung momentan ist, dass ich irgendeinen Bus Richtung Süden erwische, um nach ihnen zu suchen." Die Verzweiflung steht Daniela Pérez wie so vielen an diesem Morgen im völlig überfüllten Busterminal San Borja von Santiago de Chile ins Gesicht geschrieben. In den Regionen del Maule und Biobio um die Stadt Concepción 500 Kilometer südlich von Santiago ist die Situation auch rund 36 Stunden nach dem Beben am Samstagmorgen verheerend. An der Pazifikküste haben mehrere Tsunamis zahlreiche Ortschaften überrollt, im nationalen Fernsehen waren Aufnahmen zu sehen von schweren Fischerbooten, die von den gigantischen Wellen bis zu 400 Meter weit ins Landesinnere gespült wurden. Allein in der Stadt Constitución rechneten die Behörden am Mittag mit mindestens 350 Toten. "Das Meer hat einfach alles mitgenommen", stammelt Carlos Bustamante, ein Fischer aus der kleinen Ortschaft Caleta Duao, die fast vollständig ausgelöscht wurde. Ein ähnliches Bild boten weitere kleine Orte entlang der Küste wie Iloca oder Dichato, wo zudem aus einem Zirkus mehrere Löwen ausgebrochen waren und die Bevölkerung in Angst versetzten. Viele Menschen trugen noch immer die Pyjamas, mit denen sie sich in der Nacht nach dem Erdbeben aus ihren Häusern geflüchtet hatten. "Wir sagten den Leuten, sie sollten sich vor dem Wasser auf die Hügel flüchten. Das war das einzige, was wir tun konnten", sagte der Polizeichef von Iloca, Nahuelhuen Amparo.
Plünderungen - überforderte Sicherheitskräfte sahen hilflos zu
Schreckliche Szenen waren auch in der Region um die Stadt Concepción, dem zweitwichtigsten Wirtschaftszentrum des Landes, zu beobachten: Während Rettungsmannschaften aus den Trümmern eines 14-stöckigen Hochhauses bis zum Mittag 25 Personen lebend bergen konnten - rund 60 weitere werden dort vermisst - kam es unweit dieses Gebäudes zur Plünderung eines großen Supermarktes. Nachdem am Morgen Hunderte Personen wegen des Mangels an Lebensmitteln und Wasser vor dem Supermarkt protestiert hatten, entschieden Polizei und Geschäftsführung, dessen Türen zu öffnen, damit die Menschen sich mit dem Nötigsten versorgen konnten. Allerdings eskalierte die Situation wenig später, als zahlreiche Personen damit begannen, die Lager des Geschäfts aufzubrechen und Wertgegenstände wie Elektroartikel zu rauben, während die überforderten Sicherheitskräfte dem Treiben hilflos zusahen. Auch wenn Senatspräsident Jovino Novoa die Plünderungen scharf verurteilte, zeigten die Aktionen, wie verzweifelt die Menschen in den Gebieten im Süden sind, wo derzeit mehr als 200.000 Menschen weder Wasser nach Strom haben. Auch deshalb kündigte Präsidentin Michelle Bachelet nach einem Krisentreffen im ebenfalls schwer beschädigten Präsidentenpalast von Santiago die kostenlose und koordinierte Abgabe von notwendigen Lebensmitteln in allen großen Supermärkten der Region an. Bachelet versprach zudem schnelle Hilfe in Form von Lebensmittellieferungen, Wasser und Zelten für die Menschen in Maule und Biobio, wo zudem der Ausnahmezustand und eine Ausgangssperre in den Nachtstunden verhängt wurden.
"In Panik rannten wir hinaus in den Hof des Hauses"
Als jüngste Opferzahl gab Bachelet 708 Tote an - Tendenz steigend. Dennoch ist weiterhin unbekannt, wie viele Menschen tatsächlich vermisst werden. Über Twitternachrichten, die auch per Fernsehen und Radio übertragen werden, versuchen viele Menschen, ihre Angehörigen zu finden oder ihnen zumindest Auskunft über ihren eigenen Aufenthaltsort zu geben, da die Kommunikationssysteme weiterhin nur mit schweren Einschränkungen funktionieren. Zudem ereignete sich das Beben am letzten Wochenende der chilenischen Sommerferien, weshalb sich viele Menschen aus dem ganzen Land zu diesem Zeitpunkt noch immer in den Urlaubsregionen des Südens befanden, was die Ortung von Personen zusätzlich erschwert. Die deutsche Botschaft in Santiago hat nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise darauf, dass sich auch Deutsche unter den Opfern befinden. Allerdings seien bereits zahlreiche Anrufe von besorgten Personen eingegangen, die bisher keinen Kontakt zu ihren deutschen Angehörigen in Chile aufnehmen konnten. Einen Eindruck von dem Beben schildert der Regensburger Daniel Reger, der derzeit mit seiner Freundin in Rancagua, circa 90 Kilometer südlich von Santiago, lebt: "Wir wollten gerade ins Bett gehen, als das Beben einsetzte. In Panik rannten wir hinaus in den Hof des Hauses, das Dach des Nachbarn kam herunter, aber uns ist glücklicherweise nichts passiert." In der Hauptstadt Santiago versucht man unterdessen trotz der schweren Schäden an Häusern und Infrastruktur, schrittweise zur Normalität zurückzukehren.
"Nachbeben auch in den nächsten Wochen und Monaten"
In vielen Stadtteilen steht mittlerweile die Stromversorgung wieder, auch wenn der Zulieferer Chilectra angibt, dass immer noch rund 20 Prozent der Verbraucher in der Hauptstadt ohne Elektrizität sind. "Es hilft ja alles nichts, wir müssen einfach warten, bis sich die Situation wieder stabilisiert", sagte Miguel Díaz aus der Kommune Macul im Südwesten Santiagos - diesen Stoizismus legen viele Santiaguiner an den Tag. Obwohl am Sonntag wieder erste Supermärkte in der Sechs-Millionen-Stadt öffneten und auch die Metro eingeschränkt ihren Betrieb aufnahm, verbrachten zahlreiche Menschen die Nacht im Freien aus Angst vor den zahlreichen Nachbeben, die das Land weiterhin erschüttern. So schreckte am Sonntagmorgen gegen 4 Uhr erneut ein Beben der Stärke 6,3 auf der Richterskala die Menschen in Santiago auf. "Diese Art von Nachbeben werden auch in den nächsten Wochen und Monaten immer wieder zu spüren sein", erklärte Sergio Barrientos, Chef der Seismologieabteilung der Universidad de Chile. Weiterhin geschlossen ist ebenfalls der schwer betroffene Internationale Flughafen der Hauptstadt, auch wenn im Verlauf des Tages insgesamt fünf Maschinen aus dem Ausland dort landen konnten. Zu welchem Zeitpunkt die Flüge von Santiago ins Ausland wieder aufgenommen werden, ist derzeit noch völlig unklar, da zwar die Pisten weitgehend intakt sind, aber das Abfertigungsterminal schwere Schäden erlitten hat. (spiegel.de)
Erdbeben vor Chile - Tsunami bedroht Osterinsel
Ein enorm schweres Erdbeben der Stärke 8,8 hat den Westen Südamerikas heimgesucht. In Chiles Hauptstadt Santiago wankten die Häuser, mindestens 78 Menschen wurden getötet. Jetzt rast ein Tsunami durch den Pazifik - und überspülte bereits erste Inseln
Santiago de Chile - Es war am frühen Samstagmorgen, als ein schweres Erdeben Chile erschütterte. Der Erdstoß vor der Küste nahe der Stadt Concepcion (200.000 Einwohner) im Süden des Landes erreichte nach Angaben des Geologischen Instituts der USA (USGS) eine Stärke von 8,8 auf der nach oben offenen Richterskala. In der Hauptstadt Santiago schwankten die Gebäude eineinhalb Minuten lang. Einige Häuser sollen eingestürzt sein. Das Erdbeben ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als sich noch viele Menschen in Discotheken und Lokalen aufhielten. Für Chile, Peru und Ecuador wurde eine Tsunami-Warnung ausgegeben, teilte die US-Regierung mit. Auch Australien könnte am Sonntag von der Flutwelle getroffen werden.
1,30 Meter hohe Flutwelle
Nach Angaben des US-Tsunami-Warnzentrums für den Pazifik hat sich aufgrund des Bebens vor der chilenischen Küste eine bis zu 1,30 Meter hohe Flutwelle gebildet. Ersten Berichten zufolge soll sie bereits die Inselgruppe Juan Fernández getroffen und verwüstet haben. Nach offiziellen Angaben bedroht der Tsunami nun auch die Osterinsel, deren teilweise Evakuierung nun angeordnet wurde. Ein Erdbeben dieser Stärke habe das "Potential eines zerstörerischen Tsunamis", hieß es in einer offiziellen Warnung. Die örtlichen Behörden sollten angesichts dieser Möglichkeit die geeigneten Maßnahmen ergreifen. Das Zentrum des Bebens lag den Angaben zufolge 115 Kilometer nordöstlich von Concepcion in einer Tiefe von 60 Kilometern. Nach offiziellen Angaben kamen bei der Katastrophe mindestens 78 Menschen ums Leben.
Unübersichtliche Lage
Bislang ist die Lage noch unübersichtlich. CNN berichtete eine Hotelangestellte telefonisch, es habe in Santiago keine größeren Schäden gegeben, von denen sie wissen. Im Hotel selbst seien nur ein paar Lampen beschädigt. Gleichzeitig zeigte der Nachrichtensender jedoch alarmierende Bilder aus Concepcion. Darauf zu sehen: brennende Häuser und Rettungskräfte im Dauereinsatz. Die Nachrichtenagentur dpa meldete, in weiten Teilen des Landes sei der Strom ausgefallen. Auch die Versorgung mit Wasser und Erdgas sowie die Telefonverbindungen seien gestört gewesen. An Straßen, Brücken und Gebäuden habe es ebenfalls erhebliche Schäden gegeben. Demnach wurde auch der internationale Flughafen in Santiago erheblich beschädigt und muss nun für mindestens eine Woche geschlossen werden. "Das ist wie der Weltuntergang", sagte ein Mann dem örtlichen Fernsehen in der Stadt Temuco, wo Häuser beschädigt wurden und das Krankenhaus evakuiert werden musste. "Ich habe noch nie in meinem Leben ein solches Erdbeben erlebt."
Katastrophenzustand ausgerufen
Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief am frühen Morgen Ortszeit den Katastrophenzustand aus. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium, Patricio Rosende, bat im chilenischen Fernsehen die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Niemand solle ohne Not sein Haus verlassen, betonte der Sprecher. Am Samstagmorgen wurden die Region von einem Nachbeben der Stärke 6,2 erschüttert. (sev/mak/dpa/AFP/Reuters)
Arbeitsbesuch Lulas in Kuba
Staatschef Da Silva will wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem sozialistischen Karibikstaat ausbauen. Dritte Visite in Havanna.
Havanna: Brasiliens Präsident Inácio Lula da Silva ist am Dienstagabend (Ortszeit) zu einem Arbeitsbesuch in Kuba eingetroffen. Der linksgerichtete Staatschef reise nach Ende des "Gipfels der Einheit" der Rio-Gruppe in Mexiko in die kubanische Hauptstadt weiter. Nach Angaben kubanischer und brasilianischer Medien wird Da Silva sowohl mit dem Präsidenten des Karibikstaates, Raúl Castro, als auch mit dem Vorsitzenden der regierenden Kommunistischen Partei, Fidel Castro, zusammenkommen. Bei dem Gesprächen wird es diesen Quellen zufolge um die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten gehen. Es ist Da Silvas dritter Besuch in dem sozialistischen Inselstaat und wahrscheinlich sein letzter als Präsident der südamerikanischen Regionalmacht. Brasilien und Kuba unterhalten seit Jahren enge Beziehungen. Nach offiziellen Angaben arbeiten in Brasilien derzeit mehrere Dutzend humanitäre Helfer aus dem Inselstaat. Die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina informierte zu Beginn des Besuches Da Silvas, dass in den vergangenen Jahren 626 Brasilianer in Kuba studiert haben, 271 von ihnen wurden an der Lateinamerikanischen Medizinschule zu Ärzten ausgebildet. Der brasilianische Präsident will den Besuch nun vor allem nutzen, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit auszuweiten. So hat der ehemalige Gewerkschafter Interesse gezeigt an Renovierung und Ausbau des Verladehafens Mariel, rund 40 Kilometer von der Hauptstadt Havanna entfernt. Brasilianische Unternehmen wollen zudem in die Fremdenverkehrsindustrie Kubas investieren. Auch werde das staatliche Erdölunternehmen Petrobras "noch in diesem Jahr" eine Raffinerie in Kuba aufbauen und die Förderung von Erdöl in Kuba prüfen, informierte der Staatsgast. Neben Mexiko und Kuba wird Da Silva auch Haiti und El Salvador besuchen. Nach Informationen aus diplomatischen Kreisen der Europäischen Union sieht Brasilien den humanitären Einsatz nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti als Präzedenzfall für eine neue Entwicklungszusammenarbeit zwischen den Staaten des Nordens und des Südens. (amerika21.de)
Busunglück in Peru hinterlässt 38 Tote und weit über 50 Verletzte
Mindestens 38 Menschen sind in Peru beim Zusammenstoß zweier voll besetzter Autobusse ums Leben gekommen. 56 weitere Passagiere seien zum Teil schwer verletzt worden, berichteten lokale Medien heute. Den Angaben zufolge befanden sich rund 150 Menschen in den Fahrzeugen. Die Zahl der Opfer könne sich noch erhöhen. Der Unfall ereignete sich auf der Panamericana-Schnellstraße in der Provinz Viru. Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst nicht bekannt. In Peru sind vor allem in gebirgigen Gebieten Verkehrsunfälle mit den meist technisch nicht gut gewarteten Bussen keine Seltenheit. (orf.at)
Mehr Armut in Lateinamerika
Mehr als 14 Millionen Lateinamerikaner sind jüngsten Schätzungen der Weltbank zufolge im Jahr 2009 zurück in Armut gefallen. »Mit Freude konnten wir in den letzten acht Jahren beobachten, wie die Armut verringert werden konnte – die Krise hat dies beendet«, erklärte der Weltbankdirektor für Bolivien, Peru und Venezuela, Felipe Jaramillo, gegenüber der bolivianischen Tageszeitung »La Razón«. In der Armutsbekämpfung sei der Kontinent damit um zwei Jahre zurückgeworfen worden, womit die Weltbank ihre eigenen Prognosen nach oben korrigieren musste. Noch Ende 2009 ging die UN-Sonderorganisation von neun Millionen mehr Armen aus. Damit leben in Lateinamerika 194 Millionen (35 Prozent der Bevölkerung) unter der Armutsgrenze, in extremer Armut über 76 Millionen. Die Weltbank gehe davon aus, dass in Lateinamerika mit seinen 569 Millionen Menschen heute jeder Vierte mit weniger als zwei US-Dollar auskommen muss.
Als Armutsverursacher Nummer eins macht Jaramillo die gestiegene Arbeitslosigkeit aus. Wegen des weltwirtschaftlichen Wachstumsstopps konnten weniger neue Arbeitsplätze geschaffen werden, viele bestehende seien gestrichen worden. Wegen ihrer traditionellen Abhängigkeit vom krisengeschüttelten US-Markt trafen die Auswirkungen des globalen Wirtschaftsabschwungs Mexiko, Mittelamerika und die Karibikinseln besonders hart. Als erstaunlich resistent hingegen habe sich Südamerika erwiesen. »Große Anti-Krisen-Pläne« der Regierungen hätten in Brasilien, Bolivien, Peru, Kolumbien und Chile die ganz große Katastrophe verhindern können, lobte Jaramillo direkte Leistungstransfers an die Ärmsten der Armen. So zahlt Boliviens Linksregierung seit 2009 jungen Müttern ein Muttergeld, garantiert allen Rentnern eine Mindestrente und hob das Höchstalter für eine kostenfreie staatliche Krankenversorgung auf 25 Jahre an. »Den ärmsten Familien wird damit geholfen, dass sie nicht ohne Geld für Nahrung bleiben«, hob der Weltbank-Funktionär die extremer Armut vorbeugende Bedeutung von staatlicher Initiative hervor. Die gesunkene Exportnachfrage in den USA, Europa und Asien wurde auch durch staatliche Investitionen in Straßenbau und Infrastruktur abgefedert.
Als Weg aus der Stagnation schlägt der Weltbankökonom altbekannte Rezepte vor: weitere Diversifizierung der Wirtschaft, weniger Rohstoffexporte wie Soja in Brasilien, Fleisch in Argentinien sowie Bodenschätze in Bolivien, Peru, Chile und Ecuador, mehr innerkontinentaler Handel. Bündnisse wie Mercosur, die Andengemeinschaft CAN und die Bolivarianische Allianz ALBA seien vielversprechend, da sie über die Schaffung neuer regionaler Märkte Handel und Wachstum förderten. (neues-deutschland.de)
Schulschiff sinkt vor Brasilien - mit vier Deutschen an Bord
Essen/Rio de Janeiro. Dramatisches Ende einer Traumreise: Auf der Reise vom brasilianischen Recife nach Montevideo in Uruguay ist das Schulschiff „S.V. Concordia“ mit 48 Jugendlichen und 15 Mann Besatzung an Bord gesunken. Erst nach zwölf endlosen Stunden auf offener See konnten alle Schiffbrüchigen gerettet werden. Unter ihnen ist auch der Essener Maximilian Bonmann, der erst vor gut zwei Monaten in unserer Zeitung über seinen aufregenden Törn berichtet hatte. Die Concordia ist kein Segelschulschiff im klassischen Sinn. Der 57 Meter lange Dreimaster dient jungen Leuten für einige Monate als „schwimmendes Klassenzimmer“, als High School auf hoher See. Die Jugendlichen haben Unterricht, arbeiten auf dem Schiff und lernen bei Landgängen andere Menschen und Kulturen kennen. 16 bis 18 Jahre jung ist die Crew, die in diesem Winter mit an Bord ist. US-Amerikaner und Kanadier vor allem, aber auch vier Deutsche. Als das Schiff jetzt in Seenot gerät, sind sie längst auf dem Rückweg. Auf der Reise von Kanada nach Europa und dann zurück über den Atlantik nach Südamerika haben sie schon tausende Seemeilen hinter sich gebracht, haben Stürme überstanden und sind an gigantischen Eisbergen vorbeigesegelt. „Unbeschreiblich“ nennt Maximilian Bonmann die Erfahrungen, die er in den Monaten an Bord machen durfte. Für unsere Zeitung schrieb er: „Das Schiff wird tatsächlich 24 Stunden von der Schülern gesteuert: Nachts steht die Nachtwache parat, tagsüber übernehmen das Steuer diejenigen, die Freistunde haben.“
Erster Notruf um acht Uhr
Was der Steuermann an diesem Donnerstag im Atlantik erlebt hat, ist indes noch unklar: Der letzte Eintrag im Online-Logbuch am Mittwoch spricht von Windstärke sechs, einer frischen Brise und leicht rauer See und einem klaren Himmel. In offiziellen Berichten der Navy ist später von starken Winden die Rede, in denen das Schiff gekentert sein soll. Donnerstag morgen um acht Uhr soll die Concordia das erste Notrufsignal gesendet haben, heißt es. Die Küstenwache leitete unmittelbar eine Rettungsaktion ein, an der vier Schiffe und ein Flugzeug teilnahmen. Als ein Flieger der Luftwaffe schließlich zwölf Stunden später vier Rettungsboote in der Nähe des gekenterten Schiffes entdeckte, waren die brasilianische Fregatte Constitucao und ein japanisches Handelsschiff zur Stelle, um die Schiffbrüchigen aufzunehmen. Inzwischen soll die verunglückte Crew mit ihrem Captain William J. Curry wohlbehalten in Rio angekommen sein. „Wir alle sind überglücklich, dass die Havarie letztendlich doch glimpflich ausgegangen ist und niemand zu Schaden kam“. Frank Arens, Geschäftsführer der Jugendaustausch-Organisation „Stepin“, ist über alle Maßen erleichtert. Über diese Bonner Organisation hatten die vier Deutschen an Bord ihren Trip gebucht. Mit der Nachricht über die Rettung aller Schiffbrüchigen seien für alle Mitarbeiter und vor allem die Eltern, die umgehend informiert worden seien, viele bange Stunden des Wartens zuende gegangen. „Wir tun alles Menschenmögliche, Risiken so weit es geht zu minimieren“, versichert Arens. „Doch es bleibt immer ein Rest von Risiko, wenn man sich in die Welt hinauswagt.“ (derwesten.de)
Kriegsvorbereitung im Südatlantik: Nach 28 Jahren trügerischer Ruhe beginnen Argentinier und Briten mit der Aufrüstung
Ohne Aufmerksamkeit zu wecken vor der europäischen Presse bereiten sich die Briten wie auch die Argentinier auf einen neuen Falkland-Krieg vor. Das letzte kriegerische Zusammentreffen kostete rund 1000 Menschen das Leben. Der Ton zwischen den beiden Nationen wird lauter denn die Argentinier durchsuchen seit neuestem alle Schiffe die in Richtung der Inselgruppe fahren. Die Briten haben vor auf den Inseln sowie im angrenzenden Südatlantik Öl zu fördern. Die stolzen Argentinier wiederum sehen die "Islas Malvinas" (auf spanisch) als ihr Staatsgebiet an. Im Jahr 1982 zwischen April und Juni führten Großbritanien und Argentinien einen kurzen aber schmerzhaften Krieg um die Falkland- und Sandwich Inseln sowie Südgeorgien. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sagte zur Zeit des Krieges, Ronald Reagan, er könne nicht verstehen, warum sich zwei Alliierte um „ein paar eisige Felsen“ streiten. Doch ging es schon damals nicht nur um ein paar eisige Felsen, die Vermutung von großen Ölvorkommen gab es schon vor 28 Jahren. Argentinien, was nur 600 km von den Inseln entfernt liegt, beharrt seither auf einen Besitzanspruch bezüglich der Inseln. Der Konflikt zwischen den beiden Staaten ist abgeflaut weil es kaum Rohstoffe von Interesse gibt, welche die Inseln hervorbringen. Doch damit wurde nichts gelöst - man kann höchstens sagen "Auf Eis gelegt".
Durch die britische Wirtschaftskrise und die daraus resultierende unzufriedene Bevölkerung, sucht deren Regierung neue Einnahmequellen und die Möglichkeit die nationale Einheit wiederherzustellen. Mit einem neuen Krieg gegen Argentinien könnten sie beides schaffen: Die Briten patriotisch hinter sich aufreihen und sich nach den leerenden Nordsee Ölfeldern neue nationale Ölvorkommen für die nächste Generation sichern. In der vergangen Woche beschloss man in London die Entsendung von immer mehr Kriegsschiffen in die Region wie auch die Vorbereitung von Ölbohrungen.
Die „Malvinas“ sind argentinisch, finden die Argentinier, natürlich auch das Öl dort. Man werde „geeignete Maßnahmen ergreifen, um „illegale Aktivitäten auf den Falklandinseln“ zu verhindern, so Vizeaußenminister Victorio Taccetti. Schiffe, die Argentinien von dort aus anlaufen wollen, brauchen nun eine Sondergenehmigung.
Nach dem Geschehen der vergangenen Woche will die Regierung in Buenos Aires wieder die Kontrolle erringen über den gesamten
Seeverkehr zwischen den Inseln und dem argentinischen Festland, wenn auch nur Briten die Falkland Inseln ihr zu Hause nennen können. Mit der Entdeckung gewaltiger Erdöl- und Gasvorräte auf den Inseln sowie im umliegenden Seegebiet könnte sich der Konflikt so zuspitzen das er in Krieg eskaliert. Die führenden britischen Ölkonzerne vermuten ein Vorkommen von mindestens 60 Milliarden Barrel Öl. Diese Menge wäre 3/4 so groß wie das größte Vorkommen weltweit in Saudi Arabien oder 1/3 größer als alles was aus der Nordsee gefördert wurde. Anlaß genug für einen Krieg wäre das in der heutigen Zeit, doch trotz alle dem unnötig, egal für welches Volk.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass noch niemand Öl gefunden hat. In sechs, sieben Monaten könnten die Ölsucher wieder gehen und nie mehr wiederkommen“, beschwichtigt Phyl Rendell. Wenn die Ölblase platzt, könnten wohl auch die Kriegsschiffe wieder abziehen. Die Falklandbewohner müssten wieder von Schafzucht, Fischfang und Antarktistourismus leben.
Und wenn das Öl sprudelt? „Wir suchen die Kooperation mit Argentinien“, so London. Eigentlich seien die Beziehungen gut. Die Aufforderung der UN, mit Argentinien über die Souveränität der Falklands zu verhandeln, wird in London allerdings ignoriert.
Die Briten entsendeten zum Schutz der riesigen Ölvorkommen wieder Soldaten, somit sind mehr als 1000 Soldaten auf den Inseln stationiert, vor der Küste befinden sich Fregatten sowie ein Zerstörer. Luftlandeeinheiten werden zur Zeit auf die Inselgruppe im Südatlantik verlegt. In den folgenden Tagen wird eine Bohrinsel in die Region geschleppt. Das die Argentinier das als eine offene Kriegserklärung erklären ist verständlich. Wenn die Londoner Regierung es möchte kann sie ihr Volk mit einem solchen kriegerischen Schlag von innerpolitischen Problemen ablenken. (Wochenblatt)
Weltgrößte Samba-Party hat begonnen
In Rio de Janeiro ist die größte Samba-Party der Welt eröffnet worden. Wie immer sind jede Menge heiße Rhythmen und nackte Haut zu erwarten. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, der üblichen Kriminalität Einhalt zu gebieten. Mit den ersten Paraden zum Karneval hat in Rio de Janeiro die größte Samba-Party der Welt begonnen. Bürgermeister Eduardo Paes übergab den Schlüssel zum Rathaus am Freitag formell dem Karneval-König Momo, der die brasilianische Metropole nun bis zum Aschermittwoch regiert. Bis dahin sind die zahlreichen Samba-Schulen der Stadt aufgerufen, ihr Können in Tanz und Show sowie in origineller Kostümierung zum Besten zu geben. Zu erwarten sind wie immer heiße Rhythmen, glamouröse Umzüge und viel nackte Haut. Der üblichen Kleinkriminalität und anderen Ordnungswidrigkeiten am Rande der Feiern soll in diesem Jahr jedoch gezielt Einhalt geboten werden. Schon in den vergangenen Tagen wurden in Rio fast 100 Menschen wegen Trunkenheit und Erregung öffentlichen Ärgernisses festgenommen – insbesondere wegen öffentlichen Urinierens. Die Polizei will nach eigenen Angaben ferner die zahlreichen illegalen Händler von der Strandpromenade vertreiben. Und das bekannteste Bordell am Strand wurde bereits geschlossen, um in ein Museum umgebaut zu werden. Die Stadtverwaltung hat angekündigt, der Metropole bis zu den Olympischen Sommerspielen 2016 ein neues Image zu geben. Und dies soll schon während des diesjährigen Karnevals ausprobiert werden. Die Reaktionen der Besucher fielen gemischt aus. „Sie wollen Rio anständig machen – aber das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte ein 36-jähriger Geschäftsmann. „Außerdem würde das der Stadt jeden Reiz nehmen.“ Andere hofften indessen darauf, in diesem Jahr weniger von Dieben oder Trunkenbolden belästigt zu werden. „Wir brauchen hier etwas Ordnung, damit wir unsere Super-Party der ganzen Welt noch viel besser präsentieren können“, sagte ein 77-Jähriger. Dann schloss er sich als offizieller „Samba-Bürger“ in Leineanzug und Strohhut dem bunten Treiben an. (focus.de)
Mindestens 6 Tote bei Bus-Frontalcrash in Cusco
Beim Zusammenstoß zweier Überlandbusse kamen Donnerstag Nachmittag in der peruanischen Provinz Quispicanchi (Region Cusco) mindestens 6 Personen ums Leben. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Das berichtet die peruanische Nationalpolizei. Ersten Ermittlungen zufolge hatte der Bus des Unternehmens Copacabana, der von Puno nach Cusco unterwegs war, einen zweiten Bus gerammt, der aus Sicuani ebenfalls auf dem Weg nach Cusco war. Der Fahrer des Copacabana-Busses verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, das sich mehrfach überschlug und schließlich im Vilcanota-Fluss liegen blieb. (naimad.de)
Brasilien baut Riesen-Stausee
Im brasilianischen Amazonas-Becken soll der drittgrößte Stausee der Welt entstehen. Das Umweltministerium in Brasilia genehmigte jetzt den Baubeginn für den Stausee Belo Monte am Xingu, einem Zufluss des Amazonas im Bundesstaat Para. Die Baukosten des Staudamms, der auf eine Stromleistung von 11 000 Megawatt ausgelegt ist, sind auf 11 Milliarden Dollar (knapp 8 Milliarden Euro) veranschlagt. Noch höhere Leistungen erbringen nur der ebenfalls brasilianische Itaipu-Stausee mit 14 000 Megawatt und der Drei-Schluchten-Stausee in China mit 18.000 Megawatt. Der Stausee wird 500 km² Land überfluten. Laut der Bewegung "Xingu Vivo" dürften rund 20.000 Ureinwohner ihren Lebensraum verlieren. (afp.de)
Brasilien verteilt zum Karneval 59 Millionen Kondome
Brasilia: Während des berühmten Karnevals in Brasilien verteilt die Regierung zum Schutz gegen Aids 59 Millionen Kondome im Land. Vor allem die besonders gefährdeten Gruppen - junge Frauen unter 20 Jahren und junge Schwule unter 25 Jahren - sollen so laut dem Gesundheitsministerium vor einer HIV-Infektion geschützt werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte Brasilien anlässlich des Spektakels knapp 60 Millionen Präservative verschenkt und damit die Quote der Vorjahre mehr als verdoppelt. Damit könnte inzwischen rund ein Drittel der Bevölkerung versorgt werden. Der Höhepunkt der Karnevalsaison sind die farbenprächtigen Straßenumzüge der Sambaschulen in Rio. In diesem Jahr finden sie am 14. und 15. Februar statt. (afp.de)
Südamerika handelt erstmals mit Sucre
Sucre, die neue Einheitswährung Südamerikas, ist bei einem Handel zwischen Kuba und Venezuela erstmals zum Einsatz gekommen. Man erhoffe sich durch den nur in Form von Buchgeld verwendbaren Sucre einen „neuen Fortschritt im Zusammenwachsen“ der südamerikanischen Völker, so Zentralbank-Chef Nelson Merentes.
In den Handelsbeziehungen zwischen Kuba und Venezuela ist erstmals die neue Einheitswährung Sucre zum Einsatz gekommen. Wie die venezolanische Zentralbank am Mittwoch mitteilte, zahlte Havanna für die Lieferung von 360 Tonnen Reis an Venezuela 108.000 Sucre (umgerechnet 97.500 Euro). Zentralbank-Chef Nelson Merentes sagte, das Geschäft sei „ein neuer Fortschritt im unaufhaltsamen Zusammenwachsen der amerikanischen Völker“. Der Sucre existiert nur als Buchgeld, Banknoten und Münzen werden nicht ausgegeben.
Die sogenannten ALBA-Staaten hatten die Gemeinschaftswährung im vergangenen Herbst für den gegenseitigen Handelsverkehr beschlossen, um ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Die Bolivarischen Alternative für unser Amerika (ALBA) ist ein linksgerichtetes lateinamerikanisches Bündnis, das Venezuelas Präsident Hugo Chávez 2004 ins Leben gerufen hatte. Dem Zusammenschluss gehören acht Staaten an – neben Venezuela und Kuba sind dies Antigua und Barbuda, Bolivien, Dominica, Ecuador, Nicaragua sowie St. Vincent und die Grenadinen. Honduras trat nach dem Putsch gegen den linkspopulistischen Präsidenten Manuel Zelaya im Januar aus. (focus.de)
Knastausbruch - Häftlinge entwischen durch Loch in Gefängnismauer
Ausbruch im alten Stil: Aus einem Gefängnis in Bolivien sind mindestens 17 Häftlinge geflohen - durch ein großes Loch, das sie in eine Mauer gebohrt hatten. Von den Flüchtigen fehlt bisher jede Spur.
La Paz - Ein Sprecher der örtlichen Justizbehörden sagte am Dienstag, die Insassen hätten selbst das Loch in die Mauer gebohrt, die an eine Straße grenzt. In einer gemeinschaftlichen Aktion gelang ihnen die Flucht. Das Gefängnis mit insgesamt nur 45 Insassen liegt in der Stadt Uncia, rund 350 Kilometer südlich der Hauptstadt La Paz. Die Flucht habe sich bereits am Samstag ereignet, sagte der Sicherheitschef der Provinz Potosi im Radio. Keiner der entflohenen Häftlinge sei seitdem gefunden worden. Die Polizei untersucht nun, wie es den Insassen möglich war, ohne das Wissen des Gefängnispersonals ein so großes Loch in die Mauer zu bohren. (spiegel.de)
Cristina Kirchner rät zum Schweinefleischkonsum statt Viagra
Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner hat am Mittwoch die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Schweinefleisches gelobt: "Schweinefett ist dem Menschenfett sehr ähnlich, weshalb es gesünder als Rinderfett ist", sagte sie bei einer Tagung des Schweinezüchterverbands. "Außerdem verbessert Schweinefleischkonsum das Sexualleben", so die Präsidentin vor begeistert applaudierendem Publikum, "und es ist viel angenehmer, ein Grillschweinchen zu essen als Viagra zu nehmen." Sie selbst habe vor zwei Wochen nach dem Konsum eines Schweinefleischgerichts ein "höchst spektakuläres Wochenende" mit Ihrem Gatten Néstor verbracht. Juan Luis Uccelli, der Präsident des Schweinezüchterverbandes, bestätigte gegenüber dem Radiosender Mitra die Aussagen der Präsidentin: diese ließen sich durch Studien aus Japan und Dänemark, wo der Schweinefleischkonsum besonders hoch sein, belegen. Schon Fernandez´ Vorgänger, ihr Ehemann Néstor Kirchner, hatte sich bemüht, angesichts steigender Rindfleischpreise den Argentiniern den Schweinefleischkonsum schmackhaft zu machen. (derstandard.at)
Argentiniens Zentralbankchef gibt auf und tritt zurück - Streit um Freigabe von Währungsreserven für Begleichung von Staatsschulden
Argentiniens Zentralbankchef Martin Redrado hat im Streit mit der Regierung aufgegeben und seinen Posten geräumt. Seine Zeit bei der Zentralbank sei zu Ende, sagte Redrado am Freitag an einer Pressekonferenz. Er gehe im Bewusstsein, seine Pflicht erfüllt zu haben. Redrado hatte sich geweigert, Währungsreserven der Notenbank in Höhe von 6,6 Milliarden Dollar freizugeben, um Staatsschulden zu begleichen. Dies hatte Argentiniens Präsidentin Christina Fernandez angeordnet. Darauf wurde er von Fernandez entlassen.Redrado erhielt aber zunächst Rückendeckung von der Justiz. Sie befürwortete Redrados Entscheid, die angeordnete Transaktion zu stoppen. Der Kongress sollte darauf über Redrados Absetzung beraten. Das regierungsfreundliche Direktorium der Notenbank berief in der Zwischenzeit Vize-Präsident Miguel Pesce an die Spitze der Bank und schloss sich damit dem Entscheid von Fernandez an. Der Streit um die Devisenreserven hielt auch die Märkte der drittgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas in Atem. (nzz.ch)
Urlauber werden weiter von Machu Picchu ausgeflogen
Lima (dpa) - Die peruanischen Behörden haben am Mittwoch per Helikopter weitere Touristen ausgeflogen, die wegen Hochwassers bei der alten Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru festsitzen. Am Vortag war bekanntgeworden, dass eine argentinische Urlauberin und ihr peruanischer Führer durch einen Erdrutsch in der Nähe von Machu Picchu in den Anden ums Leben gekommen ist. Damit erhöhte sich die Zahl der Toten durch Überschwemmungen und Erdrutsche auf insgesamt acht. Ob auch Deutsche dort festsaßen, war zunächst unklar. Die Bahnlinie, die nach Machu Picchu führt, war am Sonntag durch Erdrutsche blockiert worden. Die Touristen seien in Hotels und Pensionen untergebracht oder hielten sich im Bahnhof von Machu Picchu auf. Einige hätten wegen der begrenzten Bettenzahl auch in Zelten übernachtet. Lebensmittel gebe es noch ausreichend, versicherten die Behörden. Urlauber beklagten sich aber über geringe Auswahl und überhöhte Preise. Auch gebe es für viele seit Tagen keine ausreichenden sanitären Anlagen. In der Region Cusco wurde der Notstand ausgerufen. Machu Picchu ist eine gut erhaltene Ruinenstadt der untergegangenen Inka-Kultur. Sie liegt in einer Höhe von rund 2400 Metern auf einer Bergspitze in den Anden über dem Urubamba-Tal. Bis zu 500 000 Touristen besuchen jedes Jahr die «verlorene Stadt». Die Stadt umfasste mehr als 200 steinerne Bauten, Tempel, Paläste, eine monumentale Sonnenuhr und Hunderte künstlich angelegte Ackerbau-Terrassen. Jahrhunderte hindurch blieb die im 15. Jahrhundert gebaute Stadt den europäischen Eroberern Südamerikas verborgen. Erst der US-Archäologe Hiram Bingham stieß 1911 zufällig auf die dschungelüberwucherten Ruinen. (greenpeace-magazin.de)
Venezuela - Vizepräsident Carrizalez zurückgetreten
Venezuelas Regierung verliert zwei Mitglieder: Ramon Carrizalez, Vizepräsident und Verteidigungsminister, und seine Frau, Umweltministerin Yuviri Ortega, haben ihren Rücktritt eingereicht. Sie hätten den Entschluss aus persönlichen Gründen gefasst; Uneinigkeiten mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez wiesen sie als Grund zurück. Der venezolanische Vizepräsident und Verteidigungsminister Ramon Carrizalez ist zurückgetreten. Carrizalez habe für seinen Schritt persönliche Gründe genannt, teilte Informationsministerin Blanca Eekhout im staatlichen Fernsehen mit. Carrizalez´ Frau Yuviri Ortega sei als Umweltministerin zurückgetreten, berichtete das Fernsehen weiter. Der bisherige Vizepräsident habe Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierung von Präsident Hugo Chavez als Rücktrittsgrund bestritten, hieß es. Carrizalez war seit 2008 Stellvertreter von Chavez. Im vorigen Jahr übernahm der frühere Offizier zusätzlich das Verteidigungsressort. Chavez kämpft mit wachsender Verärgerung über Strom- und Wasserknappheit sowie über eine Abwertung der Landeswährung. Deshalb hatte der sozialistische Präsident unlängst den erst kurz zuvor ernannten Minister für Elektrizität entlassen.
Konflikt zwischen RCTV und Regierung Venezuelas
Caracas: Aktivisten der Opposition in Venezuela haben am Wochenende gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez protestiert, nachdem das Signal des Kabelsenders RCTV vorübergehend gesperrt wurde. Die Telekommunikationsbehörde CONATEL hatte die Strafmaßnahme in der Nacht zum Sonntag verfügt. Sie dauere so lange, bis die Firmenleitung den gesetzlichen Bestimmungen nachkommt. Neben RCTV waren nach einem Bericht der staatlichen venezolanischen Nachrichtenagentur ABN sechs weitere Stationen betroffen. Insgesamt sind in Venezuela rund 350 Sender über das Kabel- und Satellitennetz zu empfangen. Die Regierung des südamerikanischen Landes wirft RCTV vor, gegen das geltende Mediengesetz zu verstoßen. Zu diesen Auflagen gehören unter anderem Regelungen zum Jugendschutz, eine Begrenzung der Werbezeiten und die Pflicht, Mitteilungen der Regierung Sendeplatz einzuräumen. Im "Gesetz über soziale Verantwortung in Radio und TV" wurden diese Sendeplätze 2005 erstmals zeitlich definiert. Für kulturelle, bildungspolitische und ähnliche staatliche Nachrichten können seither laut Paragraph 10 maximal 70 Minuten pro Woche in Anspruch genommen werden. Ähnliche Regelungen bestehen auch in anderen Ländern Lateinamerikas. Die Leitung von RCTV, dessen Signal im Kabelnetz übertragen wird, hat diese Bestimmungen mit dem Argument ignoriert, dass sie nur für nationale Programme gelten. RCTV definiert sich jedoch als internationaler Sender. Der zuständige Minister für öffentliche Aufgaben und CONATEL-Chef, Diosdado Cabello, widersprach dieser Darstellung. Da mehr als 30 Prozent des Programms aus Venezuela stamme, gelte RCTV als inländischer Sender, sagte der Politiker. Der Konflikt zwischen der Staatsführung und dem regierungskritischen RCTV schwelt seit Jahren. 2007 wurde dem Sender die Verlängerung einer staatlichen Sendelizenz verweigert. Als Grund wurde damals die Unterstützung des Senders für einen Putschversuch im Jahr 2002 angeführt. Vertreter des Senders reagierten auf die Strafmaßnahme am Sonntag mit neuerlichen politischen Attacken. Man werde "vor den Drohungen des Oberstleutnants nicht auf die Knie gehen", sagte der RCTV-Moderator Miguel Angel Rodríguez. Der Protest wurde von Kritik der US-Botschaft flankiert. (amerika21.de)
Im Griff des Imperiums- Über die Missionen des US-Militärs in Südamerika
Es ist einsam geworden auf dem Zivilflugplatz des Pazifikhafens Manta in Ecuador. Das 80-Millionen-Dollar-Baby von gegenüber ist weg. Im September hat das Pentagon sein dortiges Hightechzentrum für satellitengestützte elektronische Spionage räumen müssen. Ecuadors Präsident Rafael Correa wollte den Vertrag für den bis dahin einzigen Luftwaffenstützpunkt der USA in Südamerika nicht verlängern. Wer in den Jahren zuvor in Manta landete, konnte sie nicht übersehen, die Awacs-Maschinen, die Herkules-Transporter und den KC-135 Stratotanker für das Auftanken in der Luft. Sie benutzten dieselbe Rollbahn wie die Passagierflugzeuge. Für wöchentlich rund 25 Aufklärungsmissionen. Wohin die führten, wusste nicht einmal das ecuadorianische Verteidigungsministerium. Dort erfuhr die ZEIT nur so viel: Bei jedem Start saß vorschriftsmäßig ein einheimischer Co-Pilot im Cockpit. Nach wenigen Minuten, wenn die Maschine den ecuadorianischen Luftraum verlassen hatte, wurde er stets in einen Raum ohne Fenster komplimentiert. Erst beim Landeanflug bat man ihn wieder ins Cockpit. In den Stunden dazwischen wollen die Luftfahnder vor allem Kokain-, aber auch Heroinverstecke in der Ostpazifikregion aufgespürt haben. So die offiziellen Erfolgsmeldungen. Dass Hunderte Flüge pro Jahr auch andere Ziele hatten, bezweifelte in Südamerika niemand. Gewissheit aber gibt es erst jetzt. Denn in Ecuadors Nachbarland Kolumbien hat der dortige rechtskonservative Präsident Álvaro Uribe den USA als Ersatz für Manta gleich sieben Stützpunkte überlassen. Das Abkommen wurde nach seiner Unterzeichnung am 31. Oktober nur in groben Umrissen bekannt. Doch hatte die US-Luftwaffe bereits im Mai beim Kongress 46 Millionen Dollar für den Ausbau des Hauptstützpunkts Palanquero mitten in Kolumbien beantragt. Ihre Begründung: »Der Ausbau dieses Ortes gibt uns eine einzigartige Gelegenheit, vollumfängliche Operationen in einer kritischen Subregion unserer Hemisphäre durchzuführen, in der Sicherheit und Stabilität ständig bedroht sind von terroristischen Aufständen, die den Drogenhandel finanzieren, von Anti-US-Regierungen, endemischer Armut und häufigen Naturkatastrophen.« Palanquero sei »lebensnotwendig, um die US-Mission in Kolumbien und überall im Aufgabengebiet des US-Südkommandos (U.S. Southcom) zu unterstützen, die ganz Lateinamerika umfasst«. Die Entwicklung des Stützpunkts werde die Kapazität für Geheimdienstoperationen, Spionage und Aufklärung erhöhen. Auch gewinne man »die globale Reichweite«, um einen schnellen Kriegseinsatz durchführen zu können. Das war deutlich genug, aber kaum einer nahm es wahr. Und plötzlich, Mitte November, wurde die erste Antragsbegründung durch ein zweites Dokument abgelöst. Verschwunden waren alle Hinweise auf Operationen von globaler Reichweite. Herausgestellt wurde die zentrale Lage Palanqueros für die Drogenbekämpfung. Dumm nur, dass sich im Internet gleichzeitig ein Weißbuch der US-Luftwaffe zur Strategie der globalen Mobilität finden ließ. Unter Punkt zwölf, »Südamerika-Strategie«, heißt es: »Bisher konzentrierten sich die Sicherheitsbemühungen in Lateinamerika auf die Anti-Drogen-Mission. Diese Mission verlangte keine Luftbrücken. Inzwischen zeigt U.S. Southcom Interesse an einem Standort auf dem südamerikanischen Kontinent, der für Anti-Drogen-Einsätze und für mobile Operationen benutzt werden könnte (…). U.S. Southcom hat Palanquero (…) als Standort dafür ausgemacht. Von hier aus kann fast die Hälfte des Kontinents von den C-17 ohne Auftanken abgedeckt werden.« Wenn auch der Zielort Treibstoff biete, könnten diese Flugzeuge »den gesamten Kontinent abdecken«. Pech für Präsident Uribe, dass sein eigener Staatsrat das Abkommen in einem vernichtenden, allerdings nicht bindenden Gutachten verurteilte. Die Vereinbarung erlaube jederzeit Zusätze oder Änderungen. Sie ermögliche weitere Stützpunkte und das Einsickern einer »unbekannten Personenzahl«. Auch könnten die USA »grenzenlos« und umsonst Satellitenstationen einrichten und Drittländer observieren. »Unsere Nachbarländer argwöhnen«, so der kolumbianische Historiker Gonzalo Sánchez, »dass es hier langfristig nicht um Drogen geht. Die USA wollen vor allem den Amazonasraum mit seinen Ressourcen und die aufsteigende Weltmacht Brasilien im globalen Netz der Kontrolle haben.« Kein Wunder, dass sich Kolumbien inzwischen alle Nachbarn zum Feind gemacht hat. ( Christian Schmidt-Häuer / zeit.de)
Tiwanaku/Bolivien: 50.000 Indigene feiern ihren Evo
Etwa 50.000 Indigene aus Bolivien und anderen Ländern Lateinamerikas feierten am Donnerstag ihren Präsidenten Evo Morales. Dazu waren sie in die 4000 Meter über dem Meeresspiegel gelegene präkolumbianische Ruinenstadt Tiwanaku gereist. Während des Festakts zu seiner zweiten Amtseinführung bedankte sich der Präsident Boliviens vor der beeindruckenden Kulisse des mehrere tausend Jahre alten Weltkulturerbes bei der heiligen Mutter Erde Pachamama und dem Sonnengott Inti für deren Schutz. Er bat für die nach der neuen Verfassung möglichen kommenden fünf Jahre um die Kraft zum Regieren und um ein »gutes Leben« für alle Bolivianer. Die Zeremonie wurde sowohl in den indigenen Sprachen Aymara und Quechua als auch in Spanisch abgehalten. In seiner Ansprache lobte er die Erfolge der vergangenen vier Jahre und formulierte auch Aufgaben für die Zukunft: Trotz aller Fortschritte sei es noch nicht zufriedenstellend gelungen, das »Erbe des kolonialen Staates«, die Korruption, zu beseitigen. Vor der jubelnden Menge betonte er weiterhin, daß der »tausendjährige Kampf unserer Vorfahren« heute von den »Völkern der Erde aufrecht und niemals gebeugt« weitergeführt wird. An der offiziellen Amtseinführung, die am Freitag in La Paz erfolgte, nahmen Regierungschefs und politische Vertreter aus der ganzen Welt teil. Neben lateinamerikanischen Staatschefs wie Hugo Chávez aus Venezuela, Rafael Correa aus Ecuador, Fernando Lugo aus Paraguay und der scheidenden chilenischen Präsidentin Michelle Bachelet waren auch die Vizepräsidenten Kubas und Kolumbiens sowie der 2006 unterlegenen peruanische linke Präsidentschaftskandidat Ollanta Humala angereist. Chávez würdigt die Wiederwahl von Morales bei seiner Ankunft als »Beispiel dafür, daß die Völker Lateinamerikas aus ihrer langen Nacht des Neoliberalismus aufgewacht sind«. Der Vorsitzende der europäischen Linksfraktion und Co-Vorsitzende der Partei »Die Linke«, Lothar Bisky, nahm an beiden Zeremonien teil. (jungewelt.de)
Vorbild und Hoffnungsträger - In den Armenvierteln Boliviens setzen die Menschen weiter auf Evo Morales
Evo Morales - der erste indianische Präsident Boliviens tritt heute (22.01.10) seine zweite Amtszeit an. Landesweit wurde er mit deutlichen 64 Prozent wiedergewählt, obwohl Bolivien weiterhin eines der ärmsten Länder Südamerikas ist. Und ohne Konflikte ist seine Präsidentschaft bislang nicht verlaufen. Unter anderem hat eine umstrittene Verfassungsänderung durchgesetzt. Die Kleinbuskarawane kommt ins Stocken. Verkaufsstände aus Holz und Blech säumen die staubige Hauptverkehrsstraße im Armenbezirk Plan Tres Mil der ostbolivianischen Tieflandmetropole Santa Cruz. Neben Lebensmitteln werden raubkopierte DVDs und CDs feilgeboten, Artikel für Haushalt und Hygiene, Schreibwaren, Kleider, Schuhe. Die meisten hier haben im Dezember Evo Morales wiedergewählt. „Das Geschäft läuft schlecht“, klagt Remigia Miguel, eine kräftige Frau mit langem schwarzen Zopf. „Es gibt immer mehr Schuhverkäufer“. Zur Zeit verdient die neunfache Mutter weniger als ihr Mann, der in einer Schneiderwerkstatt angestellt ist. Als 18-jähriges Mädchen kam sie aus dem Hochland nach Santa Cruz - auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Vier ihrer Geschwister sind mittlerweile nach Spanien ausgewandert.
Rassismus wächst stetig
In Santa Cruz, wo die konservative Opposition den Ton angibt, werden die dunkelhäutigen Zuwanderer verachtet. Parallel zum Aufstieg von Morales zeigt sich in den vergangenen Jahren der Rassismus immer unverhüllter. Wenn sie in der kolonialen Altstadt Schuhe verkauft, erlebt ihn auch Remigia Miguel. In den gut hundert Stadtvierteln des Plan Tres Mil wohnen fast ausschließlich arme, aus ländlichen Gebieten zugewanderte Bolivianer indianischer Herkunft - zwischen 250.000 und 300.000, so genau weiß das niemand. Den Präsidenten möchte sie für ihre Probleme aber nicht verantwortlich machen. „Jetzt gibt es doch Zuschüsse für Schulkinder und Schwangere, und den Alten gibt er eine höhere Rente“, benennt sie die drei wichtigsten Sozialprogramme der Regierung. Um die zu finanzieren sicherte Morales einen bedeutend höheren Anteil aus dem Erdgasexport für die Staatskasse als seine Vorgänger. Vor Morales' Amtsübernahme Anfang 2006 gaben die Förderfirmen 27 Prozent der Reingewinne an den Staat ab. Heute sind es je nach Förderanlage bis zu 77 Prozent.
Bolivien 2008 am Rande eines Bürgerkriegs
„Der Widerstand hier war ganz entscheidend für die Niederlage der Opposition im September 2008, als Bolivien am Rande eines Bürgerkrieges stand“, erläutert Domingo Faldín. Mit Jugendlichen organisiert der Sozialarbeiter Kulturprojekte - Stelzentanz, Theater, Musik. Er nennt es seinen Beitrag zur „demokratisch-kulturellen Revolution“ des Staatschefs: „Dadurch wird das Selbstbewusstsein der jungen Leute gestärkt, und etwas Ähnliches passiert in ganz Bolivien, seitdem Evo regiert“. Im „Justizzentrum“ erhalten die Anwohner kostenlose Rechtsberatung und Hilfe bei ihrem Kampf mit der Bürokratie. „Es geht uns darum, den Ärmsten die Bürgerrechte zu garantieren, angefangen bei der Geburtsurkunde“, sagt Hipólito Díaz Sandoval, der Leiter der Behörde. „Regieren ist nicht leicht, wenn große Teile des Staatsapparats von den Vorgängern übernommen werden müssen und die rassistische Rechte alles blockiert, was sie nur kann“, sagt der Funktionär des Justizministeriums. An den Straßenständen geht das Treiben bis in den späten Abend weiter. Die Kleinbusse spucken jene Bewohner aus, die als Straßenverkäufer, Hausangestellte oder Wachleute im „reichen“ Santa Cruz arbeiten. Für sie bleibt Morales, der es mit Ausdauer bis an die Spitze des Staates geschafft hat, Vorbild und Hoffnungsträger. (domradio.de)



